Ich
sitze im Kino Schauburg in Bremen zum Nachtprogramm des Christival -
dem christlichen Jugendfestival mit 16.000 Teilnehmern. Der Film
"Tief verwurzelt" erlebt seine deutsche Uraufführung.
Ein paar Minuten - und einige männliche Jugendliche fangen an zu
stören: Zwischenrufe, absichtliches Handyklingeln. Das Licht
geht an. Unterbrechung. Ordner sprechen mit den Störern. Der
Film wird fortgesetzt.
Die jungen Leute rufen "Jesus" und
"Satan" und skandieren "Wir sind alle homosexuell."
Das Licht geht an. Ein Verantwortlicher sagt, nun sei die Polizei
informiert. Die Teilnehmer des Christival würden den Film auch
gern mit den kritischen Jugendlichen ansehen, vorausgesetzt, es ist
still im Raum. Sonst möchten sie bitte den Raum verlassen. Sie
entscheiden sich für Bleiben.
Einige Zeit geht es gut. Dann
springen sie auf, rennen vor der Leinwand herum, reißen Stoff
ab, brüllen. Sie bezeichnen die Christival-Teilnehmer als
Faschisten. Da macht einer von uns eine unkluge Äußerung.
Sofort springen einige über die Stühle, schreien, es gibt
Handgemenge, irgend etwas zerbricht. Endlich geht Licht an. Die
Polizei wird gerufen. Der Film wird endgültig abgebrochen. Wir
werden zum Beten aufgefordert. Unter dem Schutz der Polizei verlassen
wir das Kino...
Mir
geht ein Licht auf. Die ständigen verbalen Provokationen hatten
nur das Ziel, einen Grund zu finden, um loszuschlagen. Jesus
Aufforderung: "Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses
tut! Mehr noch: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt,
dann halte auch die linke hin." gilt schon für unsere
Worte. Wo wir mit Worten "zurückschlagen" schaukelt
sich leicht eine gewalttätige Atmosphäre hoch. Schweigen
ist noch nicht lieben. Aber ein erster Schritt dahin.

