Zur Historizität der Auferstehung

von Jesus Christus

 

von Peter Zöller-Greer

 

 

Er sagte zu ihnen: »Der Menschensohn wird nach dem Willen Gottes an die Menschen ausgeliefert werden, und sie werden ihn töten. Doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.« (Mk 9,31)

 

Das Christentum steht und fällt mit der Auferstehung Jesu Christi. Die Bibel berichtet darüber, doch es gibt auch außerbiblische historische Belege für dieses Ereignis. Der Gelehrte für Römische Geschichte, Professor Thomas Arnold, 15 Jahre "Headmaster of Rugby", Autor des 3-bändigen Standardwerkes "Geschichte Roms", und Inhaber des Lehrstuhls für moderne Geschichte an der Oxford-Universität, sehr gut vertraut im Umgang mit Beweisen zur Bestimmung historischer Tatsachen, sagte: "Ich bin seit Jahren daran gewöhnt die Geschichte anderer Zeiten zu studieren bzw. die Beweise derer zu untersuchen und abzuwägen, welche darüber schrieben, und mir ist keine einzige Tatsache der Geschichte der Menschheit bekannt, die besser und vollständiger bewiesen wäre, jedenfalls nach dem Verständnis einer fairen Untersuchung, als das große Zeichen, welches Gott uns gegeben hat, nämlich dass Christus gestorben ist und wieder auferstanden von den Toten."* Mittlerweile gibt es weitere historische Erkenntnisse, welche in diesem Artikel beschrieben werden sollen.

 

Antike Geschichtsschreibung birgt ihre Problematik darin, dass einerseits häufig nur wenige Manuskriptkopien erhalten sind und andererseits die frühesten dieser Kopien oft über 1000 Jahre nach den eigentlichen Ereignissen datiert werden. Ein anderes Problem ist, dass es nicht  übermäßig viele antike Geschichtsschreiber gab, und dass die Art und Weise, wie damals Geschichte geschrieben wurde, nicht den heutigen Standards entspricht. Während heute z.B. die Biographie einer geschichtsträchtigen Persönlichkeit von zentralem Interesse ist, so war das in der Antike relativ uninteressant. Außerdem wird die historische Rekonstruktion von antiken Ereignissen häufig aus Briefen und Berichten etc. durchgeführt. Man muss also bei der Beurteilung solcher Ereignisse den Maßstab anlegen, der für diese Zeit allgemeingültig ist. F. W. Hall hat z.B. eine Aufstellung (siehe Tabelle 1) über Manuskriptbelege für die Texte der führenden klassischen Verfasser gemacht[1]. Wobei hier allerdings zu bemerken ist, dass die ältesten Manuskripte nicht immer komplett sind, manchmal sind nur Fragmente davon vorhanden.

Das Problem, keine „Originale“ aus der jeweiligen Zeit zu haben, ist jedoch für die Geschichtsforschung nicht von primärer Bedeutung. Es spielen vielmehr die Zuverlässigkeit der Autoren, der Kopierer sowie interne und externe Konsistenz der Manuskripte eine wichtige Rolle. Die Zuverlässigkeit erhöht sich entsprechend, wenn Berichte mit archäologischen Funden korrespondieren. Auch ist z.B. der Briefwechsel zwischen antiken Persönlichkeiten ein Maß für die Zuverlässigkeit, jedenfalls wenn Adressat oder Schreiber berühmte Persönlichkeiten ihrer Zeit darstellten und damit zu rechnen war, dass diese Briefe publik werden. Das ist z.B. der Fall bei einem Brief, den Justus Martyr an Kaiser Antonius Pius ca. 150 n.Ch. schrieb. Dort heißt es: 

"Die Worte aber: >>Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt<< deuten auf Nägel hin, die am Kreuze durch Hände und Füße getrieben wurden. Und nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, warfen die, welche ihn gekreuzigt hatten, über seine Kleidung das Los und teilten sie untereinander. Dass das so geschehen ist, könnt ihr aus Pontius Pilatus‘ angefertigten Akten ersehen" [2].

Justus bezieht sich hier auf die Erfüllung einer alttestamentlichen Prophezeiung aus Psalm 22:19, wo es heißt: "Schon losen sie um meine Kleider und verteilen sie unter sich."

 

Autor

wann geschrieben

früheste Abschrift

Zeitspanne (Jahre)

Anzahl Abschriften

Caesar

100-44 v.Chr.

900 n.Chr.

1000

10

Plato

427-347 v.Chr.

900 n.Chr.

1200

7

Tacitus

100 n.Chr.

1100 n.Chr.

1000

20

Plinius d.J.

61-113 n.Chr.

850 n.Chr.

750

7

Thukydides

460-400 v.Chr.

900 n.Chr.

1300

8

Sueton

75-160 n.Chr.

950 n.Chr.

800

8

Herodot

480-425 v.Chr.

900 n.Chr.

1300

8

Sophokles

496-406 v.Chr.

1000 n.Chr.

1400

100

Catullus

54 v.Chr.

1550 n.Chr.

1600

3

Euripides

480-406 v.Chr.

1100 n.Chr.

1500

9

Demosthenes

383-322 v.Chr.

1100 n.Chr.

1300

200

Aristoteles

384-322 v.Chr.

1100 n.Chr.

1400

5

Aristophanes

450-385 v.Chr.

900 n.Chr.

1200

10

Zum Vergleich:

Neues Testament

40-100 n.Chr.

125 n.Chr.

25

>2400

Tabelle 1:  Alter von Manuskripten

 

Es ist anzunehmen, dass Justus es kaum gewagt hätte, diesen Brief an Kaiser Antonius zu schreiben, wenn die Akten des Pilatus dem Kaiser nicht zugänglich gewesen wären. Deswegen gilt die zitierte Stelle auch allgemein als ein zuverlässiger historischer (außerbiblischer!) Beleg für die Kreuzigung von Jesus Christus und die Tatsache, dass um seine Kleidung gespielt wurde (und damit sich eine alte Prophezeiung erfüllte).

Es gibt viele Anstrengungen, welche die Zuverlässigkeit der biblischen Evangelien belegen.[3] Dennoch wird die Glaubwürdigkeit der Evangelien von (skeptischen) Historikern manchmal angezweifelt. Breiter Konsens jedoch (auch bei kritischen Gelehrten) besteht bezüglich der Zuverlässigkeit der Paulusbriefe und der Schilderung der Apostelgeschichte von Lukas. Diese werden weitgehend als authentisch und zeitnah zu Jesus anerkannt, wie folgende Datierungsbeispiele zeigen (Jahreszahlen alle n.Ch.):[4]

 

Buch

Kümmel

Guthrie

Robinson

1 Thessalonicher

50

51

Anfang 50

2 Thessalonicher

50-51

51

50-51

1 Korinther

54-55

57

Frühjahr 55

1 Timotheus

100+

61-64

Herbst 55

2 Korinther

55-56

57

Anfang 56

Galater

54-55

49-50

Ende 56

Römer

55-56

57-58

Anfang 57

Titus

100+

61-64

Frühling 57

Philliper

53-58

59-60

Frühling 58

Philemon

56-60

59-61

Sommer 58

Kolosser

56-60

59-61

Spätsommer 58

Epheser

80-100

59-61

Spätsommer 58

2 Timotheus

100+

61-64

Herbst 58

Tabelle 2:  Alter von Römerbriefen

 

Aus diesem Grund wird, was innerbiblische Belege betrifft, in diesem Artikel überwiegend  auf die Paulusbriefe zurückgegriffen.

Der Vorgehensweise G. Habermas[5] folgend sollen bezüglich Tod und Auferstehung von Jesus Christus die folgende Quellen betrachtet werden:

1.         Frühe Glaubensbekenntnisse und historische Tatsachen

2.         Archäologische Quellen

3.         Alte nicht-Christliche Quellen

4.         Alte Christliche Quellen (nicht neutestamentlich)

Ziel ist es, eine Faktensammlung für Jesu Auferstehung vorzustellen, die -wie das Zitat des bekannten Historikers Th. Arnold in der Zusammenfassung andeutete- einem Vergleich einer entsprechenden historischen Faktensammlung säkularer Ereignisse in nichts nachsteht und diese sogar übertrifft.

 

1.      Frühe Glaubensbekenntnisse und historische Tatsachen

Frühe Glaubensbekenntnisse sind insofern von Bedeutung, da sie bereits von den ersten Christen des ersten Jahrhunderts Einblicke in Geschehnisse geben, die nicht erst in die Evangelien „eingebaut“ wurden, wie manche kritische Gelehrte glauben, insbesondere diejenigen, die die Autorenschaft der Evangelien anzweifeln und der Meinung sind, dass diese erst im 2. Jahrhundert n.Ch. verfasst wurden. Da die Paulusbriefe vermutlich der Schriftlegung der meisten Evangelien vorangehen, sind die dort anzutreffen Zitate solcher Glaubensbekenntnisse sehr aufschlussreich. Es ist außerdem weitgehend anerkannt, dass solch alte Tradition echte historische Ereignisse präsentiert, wie z.B. das letzte Abendmahl.[6] Dies wurde selbst von Bultmann anerkannt.[7] Bezüglich der Auferstehung ist vor allem 1 Korinther 15:33-34 von entscheidender Bedeutung. Dort heißt es:

„Ich habe an euch weitergegeben, was ich selbst als Überlieferung empfangen habe, nämlich als erstes und Grundlegendes: Christus ist für unsere Sünden gestorben, wie es in den Heiligen Schriften vorausgesagt war, und wurde begraben. Er ist am dritten Tag vom Tod auferweckt worden, wie es in den Heiligen Schriften vorausgesagt war...“

Im weiteren Verlauf der Passage berichtet Paulus vom Erscheinen des auferstandenen Christus vor Petrus, den „Zwölf“, 500 Personen gleichzeitig, vor Jakob, allen Aposteln und schließlich vor sich, Paulus, selbst.

Dass es sich bei diesem Bekenntnis um ein frühes Christliches, vor-Paulinisches Glaubensbekenntnis handelt, wird praktisch von allen kritischen Gelehrten über ein weites theologisches Spektrum anerkannt.[8] Indikatoren dafür sind z.B. die im Original benutzten Worte für „empfangen“ sowie „weitergegeben“. Sie stellen nämlich technische Terme für die Weitergabe von Tradition dar, d.h. Paulus hat diese Worte nicht selbst erfunden sondern weitergeben. Darüber hinaus gibt es weitere textuelle Indikatoren, die dies belegen.[9] So wird allgemein angenommen, dass der Ursprung des zitierten Glaubensbekenntnisses in der Mitte der 30er Jahre n.Ch. liegt, also kurz nach Jesu Kreuzigung.[10] Untersucht man die Frage, woher Paulus dieses Glaubensbekenntnis erhalten hat, so stellt man fest, dass er es wahrscheinlich von  Petrus und Jakobus erhalten hat, als er kurz nach seiner Konvertierung (ca. 36-38 n.Ch.) Jerusalem besuchte und sich dort mit den Aposteln traf. Es handelt sich also um Augenzeugen der geschilderten Ereignisse. Der Historiker Hans von Campenhausen (und viele andere) attestiert dann auch 1 Korinther 15:33-34:

„Diese Aussage erfüllt alle Anforderungen historischer Glaubwürdigkeit die überhaupt über einen solchen Text gemacht werden können.“[11]

Die Bedeutung des Glaubensbekenntnisses aus 1 Korinther 15:33f kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden; zeigt es doch, dass man nicht länger behaupten kann, dass es keine überprüfbaren frühen Augenzeugenberichte für den Tod und die Auferstehung Jesu gibt. Entsprechendes gilt auch für andere frühe Glaubensbekenntnisse.

Deswegen und aufgrund einer Reihe anderer Gründe hat sich eine „Minimalzahl“ von praktisch allen kritischen Gelehrten als historisch anerkannte Tatsachen herausgeschält, und zwar unabhängig von der Schule der diese Gelehrten angehören. Diese auf breiter Ebene historisch anerkannte Tatsachen sind:[12]

 

1.1               Jesus starb bei der Kreuzigung

1.2               Jesus wurde begraben

1.3               Der Tod von Jesus verursachte bei seinen Aposteln Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, da sie dachten, sein Leben sei nun zu Ende

1.4               Jesu Grab wurde ein paar Tage später leer angetroffen[13]

1.5               Die Apostel hatten Erlebnisse, von welchen zumindest sie selbst glaubten, dass es sich um das physikalische Erscheinen des gestorbenen und wieder auferstandenen Christus handelt

1.6               Die Apostel wandelten sich von Zweiflern, die Angst davor hatten mit Jesus identifiziert zu werden, in nachdrückliche Verkünder seines Todes und seiner Auferstehung

1.7               Diese Botschaft war Zentrum aller Predigten der frühen Kirche

1.8               Diese Botschaft wurde speziell in Jerusalem verkündet, wo Jesus kurz zuvor starb und beerdigt wurde

1.9               Als Folge wurde die Christl. Kirche gegründet und wuchs

1.10           Der Sonntag wurde als primärer Tag der Verehrung Gottes eingeführt

1.11           Jakobus, der bisher ein Skeptiker war, wurde zum Glauben bekehrt als er ebenfalls glaubte, den auferstandenen Christus gesehen zu haben

1.12           Ein paar Jahre später wurde Paulus bekehrt aufgrund eines Erlebnisses, vom dem zumindest er selbst glaubte, den auferstandenen Jesus gesehen zu haben

 

Diese zwölf historischen Tatsachen sind entscheidend in der Frage nach der Historizität der Auferstehung von Jesus Christus. Da diese zwölf Fakten -wie erwähnt- auch unter den meisten kritischen Gelehrten anerkannt sind, stellen sie eine gute Ausgangsbasis für weitere Betrachtungen dar.

Es ist allerdings bereits ausreichend, lediglich 4 der oben genannten historischen Tatsachen als Ausgangspunkt für alle weiteren Betrachtungen zu benutzen.[14] Diese 4 Tatsachen sind:


 

1.1               Jesus starb bei der Kreuzigung

1.5               Die Apostel hatten Erlebnisse, von welchen zumindest sie selbst glaubten, dass es sich um das physikalische Erscheinen des gestorbenen und wieder auferstandenen Christus handelt

1.6               Die Apostel wandelten sich von Zweiflern, die Angst davor hatten mit Jesus identifiziert zu werden, in nachdrückliche Verkünder seines Todes und seiner Auferstehung

1.12      Ein paar Jahre später wurde Paulus bekehrt aufgrund eines Erlebnisses, vom dem zumindest er selbst glaubte, den auferstandenen Jesus gesehen zu haben

 

Der Vorteil solch eine Selbstbeschränkung liegt darin, dass sich damit der Kreis der kritischen Gelehrten, die diese Fakten akzeptieren, nochmals vergrößert.[15]

Es ist klar, dass Skeptiker, welche die vier zuletzt genannten historischen Tatsachen anerkennen, sich dem Problem einer naturalistischen Erklärung stellen müssen. Darauf wird später noch genauer eingegangen.

 

2.      Archäologische Quellen

Wie oben ausgeführt, beinhaltet die „historische Methode“ auch eine Bestätigung durch archäologische Funde. Da dieses Thema selbst ein seitenfüllendes Unterfangen ist, möchte ich hier nur ein paar Tatsachen erwähnen, die uns weitere Auskunft über das Leben und Sterben von Jesus geben.

 

2.1              Lukas‘ Volkszählung

In Lukas 2:1-5 findet man die Behauptung, dass Caesar Augustus eine Volkszählung zur Zeit Christi Geburt durchführen ließ. Wurde dies zunächst von vielen skeptischen Historikern angezweifelt, so hat der Fund einer alten lateinischen Inschrift mit dem Titel Titulus Venetus ergeben, dass so eine Volkszählung um 5-6 n.Ch. in Syrien und Judäa stattgefunden hat. Dies war offenbar typisch für die Zeit von Augustus (23 v.Ch. - 14. n.Ch.) bis mindestens zum 3. Jahrhundert.[16] Es ist aufgrund eines weiteren Fundes (ein ägyptischer Papyrus, datiert um 104 n.Ch.) weiter bekannt, dass es gemeinhin üblich war, zum Zwecke der Volkszählung den Geburtsort aufzusuchen. Quirinius war nun nachweislich Statthalter in Syrien um 6 n.Chr. Es wurde lange angenommen, dass hier ein Widerspruch zu dem Umstand vorhanden sei, dass die Bibel die Geburt Jesu um 4-7 v.Chr. datiert, wo die Volkszählung unter Quirinius dann stattgefunden haben müsste. Der Archäologe Sir William Ramsay entdeckte jedoch verschiedene Inschriften, die belegen, dass Quirinius zweimal Statthalter in Syrien war, und zwar erstmalig ein paar Jahre vor seiner zweiten Amtsperiode. Die erste Volkszählung wird im allgemeinen  auf 10-4 v.Chr. datiert.[17] Damit kann man als weitere historische Tatsachen feststellen:

 

2.1.1.        Die Volkszählung war eine gängige Praxis im Römischen Kaiserreich und wurde speziell nachweislich in Judäa durchgeführt

2.1.2.        Personen wurden aufgefordert zum Zwecke der Volkszählung an ihren Geburtsort zurückzukehren

2.1.3.        Diese Volkszählungen wurden bereits zur Regierungszeit von Kaiser Augustus durchgeführt, was sie generell im zeitlichen Rahmen um Christi Geburt platziert

2.1.4.        Die speziell mit Jesu Geburt verbundene Volkszählung, welche von Lukas erwähnt ist, hat sehr wahrscheinlich um 6-5 v.Ch. stattgefunden, was einen guten Anhaltspunkt für den Zeitpunkt der Geburt Christi liefert.

 

2.2              Johanan - Opfer einer Kreuzigung

Ein weiterer Gegenstand des Zweifels war die Methode, wie Jesus zu Tode kam. Während die Methode der Kreuzigung generell von manchen kritischen Historikern in Frage gestellt wurde, hat sich das Blatt gewendet, als im Jahr 1968 in Jerusalem beim Ausheben einer Baugrube u.a. die Überreste eines um ca. 70 n.Chr. gekreuzigten Juden namens Johanan Ha’galgol gefunden wurden. In seinen Füßen befand sich sogar noch ein Nagel und Teile des Kreuzes waren auch bei den Fundsachen.[18] Die genauere Untersuchung der Überreste ergab außerdem:

 

2.2.1          Die Kreuzigungsopfer wurden häufig an das Kreuz geschlagen, indem Nägel durch ihre Füße oder die Fersen und durch die Handgelenke oder die unteren Armbereiche getrieben wurden.

2.2.2          Die große Mehrheit der medizinischen Forscher stimmt darin überein, dass die Positionierung des Körpers es für das Opfer erforderlich machte, sich auf- und abwärts zu bewegen, damit es abwechselnd atmen und ausruhen konnte.

2.2.3          Das Brechen der Beinknochen wurde in solchen Fällen benutzt, wo ein schnelles Ableben des Gekreuzigten gewünscht war (verhinderte das oben genannte Auf- und Abwärtsbewegen des Körpers, wodurch ein schneller Erstickungstod eintrat).

 

2.3              Das Dekret von Nazareth

1978 wurde in Nazareth eine weiße Marmorplatte gefunden, welche ein Dekret enthält, das wahrscheinlich vom damaligen römischen Kaiser Claudius (41-54 n.Chr.) erlassen wurden. Es lautet:

Anordnung des Cäsar. Es ist mein Wille, dass Gräber auf immer ungestört bleiben für die, die sie zur Kultstätte ihrer Ahnen oder Kinder oder Angehörigen ihres Hauses gemacht haben. Wenn jedoch jemand die Anklage erhebt, dass ein anderer sie beschädigt hat oder dass er einen Begrabenen auf andere weise herausgeholt hat oder ihn in böser Absicht an einen anderen Ort gebracht hat, um ihm etwas anzutun, oder dass er die Versiegelung von den Steinen entfernt hat, so soll eine Gerichtsverhandlung gegen den Grabschänder stattfinden, sowohl aus Achtung vor den Göttern als auch in Rücksicht auf den Totenkult. Denn den Begrabenen soll unter allen Umständen Ehre erwiesen werden. Es ist jedermann aufs strengste verboten, sie zu stören. Im Fall eines Verstoßes gegen diese Vorschrift ordne ich an, dass der Übertreter zur Todesstrafe verurteilt wird unter der Anklage der Grab­schändung.“[19]

Die Vermutung liegt nahe, dass dieses Dekret aus „gegebenem Anlass“ erlassen wurde und in die Zeit nach der Grablegung von Jesus Christus fällt. Folgende historischen Fakten lassen sich aus diesem Dekret ableiten:

 

2.3.1          Offenbar gab es Berichte in Palästina, die den Imperator (wahrscheinlich Claudius) veranlasst hatten, diese strenge Warnung gegen Grabschänder zu erlassen

2.3.2          Es gab versiegelte Grabstätten in Palästina wie auch Grabsteine

2.3.3          Grabschändung wurde nun zu einem schweren Verbrechen mit Todesstrafe erklärt

 

Bereits diese drei archäologischen Funde bestätigen die Schilderungen in der Bibel. Dies ist insbesondere deshalb von Bedeutung, da immer wieder die Behauptung aufgestellt wurde, dass diese Berichte wesentlich später verfasst worden sind, teilweise angeblich so spät, dass manche Sitten und Gebräuche bereits in Vergessenheit geraten waren. Funde, die in neuerer Zeit gemacht wurden, bestätigen daher in eindrucksvoller Weise, dass es sich dabei nicht um „Erfindungen“ späterer Schreiber handeln kann.

 

3.      Alte nicht-Christliche Quellen

Es können eine ganze Reihe historische Tatsachen bezügl. Jesu Tod und Auferstehung aus verschiedenen außerbiblischen Quellen abgeleitet werden. Aus Platzgründen kann nicht jede dieser Quellen hier vollständig wiedergeben werden, sondern höchstens Ausschnitte von einigen. Ausführlichere Fundstellen sind in den entsprechenden Fußnoten angegeben.

 

3.1              Cornelius Tacitus

Tacitus (ca. 55-120 n.Chr.) war Römischer Historiker und lebte während de